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Entgiften: Ein Mythos.

Immer wieder werde ich in der Beratung nach Entgiftungs- oder Entschlackungsmöglichkeiten gefragt. An dieser Stelle möchte ich mit einem falschen Bild des Körpers und seiner Funktionsweise aufräumen. Wenn wir an Schlacken denken, dann entsteht im Kopf evtl. das Bild eines Hochofens…. Industrialisierung… 19. Jahrhundert… Das Endprodukt der Eisenherstellung ist zum einen das Roheisen und andererseits die Schlacke, der Rückstand nichtmetallischer Art. Manch einer denkt, dass es auch im menschlichen Körper ähnliche Schlacke gibt, die bei der Verdauung entstehen. Und das Denken beinhaltet auch die Idee, dass diese Altlasten sich im Körper ablagern. Ergo entsteht der Wunsch nach Entschlackung – quasi soll eine Art Grundreinigung des Körpers erfolgen – „Das Ofenrohr putzen“ könnte man auch sagen. „Und dann muss doch wieder alles gut sein.“  – soweit das Denken.

Doch leider ist unser Verdauungssystem nicht mit einem Hochofen vergleichbar, der Darm ist kein Ofenrohr. An den Darmwänden kann nichts verkleben, Schlacken lagern sich nirgends ab. Vielmehr ist es so, dass der Darminhalt permanent in Bewegung ist. Dies wird durch Schleimbildung unterstützt, sodass der Verdauungsbrei immer weiter durch den Darm rutscht. Permanent werden Zellen vom Darm abgestoßen, festsetzen kann sich nichts. Hinzu kommen die unzähligen Mikroorganismen, die ihrer Arbeit im Darm nachgehen. Das Zusammenwirken aus Verdauungssäften und Mikroorganismen bewirkt, dass die Nahrung – im Falle eines gesunden Organismus – optimal aufgeschlüsselt und verdaut wird. Und am Ende der Verdauung steht die Ausscheidung aller Endprodukte dieser Verdauung über den Enddarm und die Nieren. Giftstoffe, die sich tatsächlich im Körper – genauer im Fettgewebe – einlagern können (z.B. Schwermetalle), werden durch eine wie auch immer geartete Entschlackungsmethode nicht ausgeschieden.

Einige Menschen sind der Ansicht, sie könnten über eine Fastenkur entschlacken und stellen erstaunliche Effekte an sich fest während des Fastens. Das so genannte Heilfasten, bei dem über einen definierten Zeitraum allenfalls Säfte und Gemüsebrühen verzehrt werden, jedoch keine feste Nahrung, bewirkt allerdings keine Entschlackung. In der Phase der extrem reduzierten Kalorienaufnahme schüttet der Körper zum einen bestimmte Hormone in großem Maße aus, die ein Hochgefühl hervorrufen. Der Organismus bildet in diesem Moment verstärkt Endorphine, die dem Menschen in Extremsituationen helfen sollen, die Situation respektive den Nahrungsmangel durchzustehen. Durch das Fasten kann es auch dazu kommen, dass der Körper anders riecht. Auch dieses Phänomen ist darauf zurückzuführen, dass der Körper seinen Stoffwechsel wegen des Nahrungsmangels umstellt. Das energiegeladene Gefühl, das beim Hungernden entstehen kann, rührt daher, dass der Körper durch das Fasten kaum Energie aufwenden muss für den sonst so energieaufwändigen Verdauungsvorgang. Es steht damit mehr Energie zur freien Verfügung.

Bleiben wir noch für einen Augenblick beim Heilfasten: Warum sollte man also trotzdem das Heilfasten für sich entdecken? Eine Fastenphase kann dem Körper quasi zu einem teilweise sehr sinnvollen „Reset“ verhelfen. Verdauungsregelkreise können sich erholen, die Insulin-Sensitivität steigert sich und die Blutdruckregulation wird sensitiver. Darüber hinaus kann man eine Phase des Fasten wunderbar dafür nutzen, in eine konsequente Ernährungsumstellung einzusteigen. Bei einigen chronischen Krankheiten, wie z. B. Rheuma und insbesondere rheumatische Arthritis, hat das Fasten nachweislich einen lindernden Effekt – auch hier besonders dann, wenn nach dem Fasten die Ernährung auf eine vegetarische Form umgestellt wird. Doch gibt es Kontraindikationen für eine Heilfasten-Maßnahme. Bitte sprechen Sie unbedingt zuvor mit Ihrem Hausarzt oder holen Sie sich in einer qualifizierten Ernährungsberatung weitere Informationen.

Ein abschließendes Stichwort möchte ich an dieser Stelle noch aufgreifen: Detox. Detox-Kuren sind „in“. Die Versprechen sind groß, der Zugang zu den Detox-Produkten ist denkbar einfach, denn in nahezu jeder Drogerie erhält man die unterschiedlichen Mittel – das allerdings zu einem nicht unerheblichen Preis. Professor Thomas Zilker, Leiter der Toxikologie an der TU München, hat in einem Interview bestätigt, dass der (gesunde!) Körper keine Hilfsmittel zum „Detoxen“ benötigt, da er in der Lage ist, alles eigenständig auszuscheiden. Und ebenso können keine speziellen Wege zur Ausscheidung genutzt werden: Salz- und Saunabäder unterstützten nicht die Ausscheidung. Über die Haut werden nur verhältnismäßig wenig Stoffe ausgeschieden. Andere Detox-Mittel sind mit Abführmitteln vergleichbar, wiederum andere steigern die Urinproduktion. Eine Studie, so Professor Zilker, hat bestätigt, dass lediglich der Harn verdünnt wird durch diese Mittel. Die Ausscheidung als solche verändert sich nicht.

Und letztendlich überlegen Sie doch einmal bitte, warum Sie entschlacken und/oder detoxen wollen? Wollen Sie sich einmal jährlich eine Absolution holen, um die restliche Zeit des Jahres ungesund zu leben? Wäre es nicht sinnvoller, sich das ganze Jahr über ausgewogen und gesund zu ernähren?